Der SPD-Ortsverein Gilching lud am 20. Oktober den Vorsitzenden des Energiewendevereins im Landkreis Starnberg, Herrn Hans Wilhelm Knape, ein, um im Gilchinger Schützenhaus über die „Energie der Zukunft“ zu diskutieren. Ca. 25 interessierte Bürger und Kommunalpolitiker sind der Einladung gefolgt und durften vorab eine sehr interessante Powerpoint-Präsentation sehen.

Herr Knape erläuterte ausführlich den Daseinszweck des Energiewendevereins:

– Fossile Energieträger sind endlich, sie reichen nur noch 80 Jahre. Somit ist eine Energiesicherheit nicht mehr lange gegeben. Preise für konventionelle Energien steigen: Erdöl wird sich um 300 Prozent verteuern in 5 Jahren, Uran um 1700 Prozent innerhalb von 12 Jahren. Subventionen für die Atomenergie betragen 1,4 Milliarden Euro.

– Erneuerbare Energien behalten die Wertschöpfung im Land (80 Prozent ), bei fossilen Energien fließt sie im Wesentlichen ab (nur 15 Prozent Wertschöpfung bleibt in der Region). Umstellung auf heimische Energieträger ist das beste Wirtschaftsförderungsprogramm!

– Bis 2035 soll das Ziel, nämlich den Landkreis vollständig mit erneuerbaren Energien zu versorgen, erreicht sein. Doch wie ist das zu schaffen? „Ein Verein soll’s richten“.

Der Verein besteht aus folgenden Organen: den Fachgruppen (Öffentlichkeitsarbeit, Energieeinsparung, Biomasse, Solar, Wind, Geothermie und Mobilität), den Ortsgruppen der einzelnen Gemeinden, der Delegiertenversammlung und dem Vorstand. Der Vorstand koordiniert einzelne Aktivitäten, Projekte in einzelnen Gemeinden.

Aufgaben und Ziele des Vereins:
– Alle Bürger und Institutionen sollen sich der Verantwortung für die Umwelt- und Klimaprobleme bewusst werden
– Alle Bürger und Institutionen sollen aufgeklärt werden über Ziele und Anforderungen
– Verein als Vorreiter und Vorbild informiert mit Vorträgen, Schulprojekten mit wissenschaftlichem Tiefgang. Er handelt zielorientiert und vernetzt unter Mitwirkung der Bürger, Gemeinden, Bildungsinstitutionen und Energieverbraucher und -versorger.

– Energiewende-Szenario: Heute beträgt der Gesamtverbrauch im Landkreis 4001 Gigawattstunden (GWh), 12 Prozent für Strom, 33 Prozent für Verkehr und 55 Prozent für Wärme. Dieser Verbrauch entspricht einem mittleren Atomkraftwerk!

Die Prognose für 2035: Ein Potenzial von 1161 GWh aus regenerativen Energien für 23 Prozent Strom, 59 Prozent Wärme und nur noch 18 Prozent Verkehr. Dazu werden 10 Biogasanlagen und 3 Geothermiekraftwerke benötigt. Heute liegen wir bei 29 Prozent unseres prognostizierten Bedarfs von 2035, wir verbrauchen also zu viel Energie.

– Im Landkreis werden heute nur 1,5 Prozent (=60 GWh) unserer Energie regenerativ erzeugt, 2035 sollen es 100 Prozent sein! Wir sind also noch weit entfernt von der Energiewende. Bei den Verbrauchsdaten im Landkreis zu Gas und Strom (Eon) gab es lediglich im warmen Winter 2006 einen Rückgang , im Jahr danach ist der Verbrauch wieder angestiegen, bewusste Einsparungen gibt es keine. Viele Gemeinden und auch Experten haben noch zu viele bedenken, dass der Klimaschutz zu teuer wäre.

Herr Knape stellte sein eigenes 2009 gebautes Haus vor, ein Plusenergiehaus – es produziert durch eine 8 KW-Wärmepumpe und 10 qm Solarthermie 7000 KWh pro Jahr und verbraucht nur 5000 KWh. Plusenergiehäuser sind heute schon in konventionellen Bauformen möglich.

– Kooperation als Grundlage für integrierte Klimaschutzkonzepte

– Es gilt, ein gemeinsames Konzept zu entwickeln in einem Netzwerk mit 14 Kommunen und Verbänden mit politischem Einflussbereich (AWA, Awista, VHS, Unser Land, Landratsamt, Gfw, Zweckverband sozialer Wohnungsbau)

– Voraussetzung: Handlungskonsens im Netzwerk

– Klimaschutzmanagement im Landkreis Starnberg durch Energiewendeverein

STOP TALKING! START DOING!

In der anschließenden Diskussion wurden folgende Ergänzungen gemacht:

– Unmengen radioaktiven Mülls fließen täglich in die Nordsee und niemanden scheint’s zu kümmern.

– Der Irrglaube, Atomstrom sei notwendig, da wir ohne ihn nicht genügend zur Verfügung haben, muss ausgeräumt werden. In Wirklichkeit werden Windräder teilweise abgeschaltet, weil zu viel Strom erzeugt wird!

– Das St-Floriansprinzip muss aufhören: Bürgermeister Manfred Walter kritisierte die in allen Gemeinden aufkeimende Bürgerwehr beim Bau von Windkraftanlagen. Viele Bürgermeister winken schon im Vorfeld ab, da sie die Gründung von Bürgerinitiativen befürchten.

– Bayern rangiert bundesweit nur an 8. Stelle bei regenerativen Energien, Oberbayern bayernweit nur an 7. Stelle und der Landkreis Starnberg nur an 21. Stelle in Oberbayern, Gilching an 9. Stelle im Landkreis! In Gilching wird bislang nur 1 Prozent der Energie aus erneuerbarer Energie gewonnen – und das nur mithilfe von Fotovoltaik. Es gibt kein Pellet- oder Blockheizkraftwerk!!

– Im Landkreis ist die Not nicht groß genug, daher besteht leider noch kein Handlungsbedarf. Es muss die Betroffenheit bei den Bürgern geweckt werden. Doch wie kommt man die Leute ran, die notorisch an den fossilen Brennstoffen festhalten? Facebook? Zu den Veranstaltungen kommen ausschließlich die bereits aufgeklärten Bürger, die etwas ändern wollen – leider nur Wenige, wie man an der heutigen Veranstaltung ablesen kann (25 von 20.000 Einwohnern).

20.10.2010/Beate Schnorfeil

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